Es hat immer auch mit dem "Der Ton macht die Musik" zu tun. Zusätzlich muss man sich fragen, ob eine Kritik hilfreich ist, bevor man sie raushaut. Wenn eine Kleinigkeit nur mit enormem Aufwand änderbar ist, sollte man sich fragen, ob das noch konstruktive Kritik ist. Alle MOCs haben gute und schlechte Seiten. Deshalb sollte man stets nicht nur die schlechten Seiten zur Sprache bringen, sondern auch die guten Seiten ansprechen.
Ja, das ist schon irgendwie das Wort zum Sonntag, aber das hat auch einen Hintergrund. Ich habe viele Jahre oder eher Jahrzehnte mit schwersten gesundheitlichen Problemen kämpfen müssen. Das bedeutete für mich z. B. mehrere Schrittmacher (nacheinander, nicht gleichzeitig

) Ist nicht toll, aber damit konnte oder musste ich leben. Es hat mich aber verändert. Als vor zweieinhalb Jahren der Tumor in Golfballgröße in meinem Kopf entdeckt wurde, wurden verschiedene Probleme in meinem Alltag besser erklärbar. Der Ausbau des Tumors klappte gut, aber so richtig zufrieden bin ich mit meinem Kopf nicht. Der funktioniert nicht annähernd so gut wie früher und das belastet einen (also mich) sehr. Es steht jedem Menschen - also auch mir - frei, das Leben gut oder schlecht zu finden. Man kann sich für gute oder schlechte Gefühle entscheiden. Niemand zwingt einen, das Glas halb leer zu sehen, man kann es auch als halb voll beschreiben. Das Hobby Modellbau mit Lego soll Freude machen und kein Wettbewerb sein. Vermeintlich sachliche Kritik wie: "Dein Glas ist fast leer!" macht keine Freude. Keinem.
Kommen wir vom Wort zum Sonntag zu den MOCs zurück: Jeder kann und muss selber entscheiden, was er will oder eben nicht will. So wie man nur mit reinem Lego oder auch mit wenigen oder vielen kompatiblen Steinchen bauen kann, gibt es viele Entscheidungen, die in einem persönlichen Stil münden.
Ich habe früher teilweise auch mit Zeichnungen und Raster gebaut, war also weit näher am Vorbild. Diesen Zug habe ich vor über 20 Jahren z. B. so gebaut:
Damit war ich aber damals so eine Art einsamer Einzelkämpfer. Auf Treffen die großen Schienenkreise und dgl. zu befahren ging nicht, weil mein Zug schlicht zu groß dafür war. Meine logische und vernünftige Lösung lautete: Netter Versuch mit den 10w, aber 8w ist doch die bessere Wahl.
Ich habe mit 8w den vermutlich verbreitesten Weg gewählt. Aber 8w kann man auch höchst unterschiedlich umsetzen. Zum Bespiel in Form von meist sehr kurzen Spielzügen, die halt nur etwas größer als die originalen Loks und Wagen von Lego sind. Oder in sehr genauen maßstäblichen Modellen, bei denen lediglich die Spurweite und meist auch die befahrbaren Radien nicht ganz passen. Und alles dazwischen.
Mein Stil wird hier leider offenbar noch nicht so richtig verstanden. Der Begriff Noppenimpressionismus soll es beschreiben. Es kommt dabei nicht auf Details an, sondern eher auf das Gesamtbild.
Kommen wir zu einem sehr wichtigen Punkt: Keiner von uns ist ein Riese, der echte Loks und Wagen in die Hand nehmen kann, um sie aus jedem Winkel zu sehen. Unser Bild im Kopf ist meist weniger von echtem rollenden Material, sondern mehr von Modelleisenbahnen geprägt. Dazwischen liegen Welten!
Anders als früher baue ich nicht mehr mit Raster und sklavischen Maßstäben, sondern erinnere mich an die Modellbahnzeiten, wo man einen Waggon oder eine Lok in der Hand hatte. Das Bild habe ich beim Bau im Auge, nicht das der großen Vorbilder. Dadurch kommt es zu der Begeisterung der Märklin & Co. Modelleisenbahner und diesen Geschichten wie die mit meiner BR 41. Ich habe in verschiedenen Quellen Bilder diverser Loks aus der Baureihe 41 und ihrer nahen Verwandten angesehen und aus dem Kopf einen fröhlichen Mix gebaut. Ist das Glas damit halb voll oder leer?
Übrigens stören mich schlecht umgesetzte Details durchaus auch selber. Wenn diese auch von anderen Leuten als nicht optimal empfunden werden, kann das dazu führen, dass ich das Detail umbaue. Den Unterbau inkl. Achsen möchte ich noch anders bauen. Der hier noch nicht gezeigte 3YG ist mir in diesem Punkt besser gelungen, aber nicht gut genug, um es so zu lassen.
Gruß Michael